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Unser Schlafrythmus im Wandel der Zeit

By 31. Januar 2020Magazin

Wie schlafen wir?

Bevor wir schlafen gehen, sitzen wir noch für mehrere Stunden vor dem Fernseher oder unseren Smartphones. Das Licht des Fernsehers oder des kleinen Handybildschirms gaukelt dem Auge und Gehirn bis mitten in die Nacht hinein vor, dass es gerade helllichter Tag sei. Hierdurch schüttet das Gehirn keine Schlafhormone aus – der Körper wird nicht müde und schaltet nicht in den Schlafmodus um. Daher ist es auch kein Wunder, dass Menschen in Industrieländern nicht mehr gut schlafen.

Dabei ist nicht die Länge des Schlafs das Problem – denn biologische Studien zeigen heute, dass Menschen aus Naturvölkern in einer viel natürlicheren Umgebung als einer Großstadtwohnung auch nicht länger schlafen.

Im Schnitt schliefen die untersuchten Personen dreier indigener Volksgruppen lediglich 6½ Stunden. Das ist deutlich weniger als die acht Stunden die die Medizin Erwachsenen Europäern rät. Damit sollten die Menschen der Hadza aus Tansania, San aus Naminia und Tsimanen aus Bolivien ständig übermüdet sein.

Trotz unterschiedlicher Lebensweisen und Lebensräume schlafen die Menschen dieser drei Völker eher kürzer als der durchschnittliche Europäer. Die Annahme, das früher mehr geschlafen wurde oder das Europäer zu wenig Schlaf bekämen, ist damit widerlegt.

Wie schliefen die Leute bevor es künstliches Licht gab?

Anders als in der Forschung traditionell angenommen, gehen Menschen aus Naturvölkern, die kein elektrisches Licht nutzen nicht mit dem Einbruch der Nacht zu Bett. Anstatt dem Wechsel von Sonne und Mond streng zu folgen, bleiben die Hadza, San und Tsimanen noch mehrere Stunden wach, nachdem die Sonne untergegangen ist. Außerdem stehen sie in der Regel schon auf, bevor die Sonne aufgegangen ist. Scheinbar orientiert sich der Schlaf dieser Naturvölker eher an den Temperaturen, als dem Sonnenstand. Erst wenn es angenehm kühl zum Schlafen ist, legten sich diese Völker schlafen.

Diesen Rückschluss unterstützt auch die Anzahl der Mittagsschläfchen. Während der heißen Sommermonaten legten die untersuchten Personen etwa an einem Viertel der Tage einen Mittagsschlaf ein. Im Winter nur noch an ungefähr 4% der Tage.

Die Studie wirft interessante Fragen auf und widerlegt, die Behauptung, dass der durchschnittliche Europäer zu wenig schläft. Aber sie lässt keinen direkten Rückschluss zu, wie Erholsam der Schlaf tatsächlich ist. Denn es wurde nicht untersucht, warum der Schlaf so viel besser ist. Es könnte sein, dass allein der Lebensstil von Menschen, die sich viel in der Natur aufhalten und weniger im Auto oder am Schreibtisch für einen besseren und natürlicheren Schlaf sorgt.

Insgesamt untersuchten die Forscher 94 Angehörige der Naturvölker kamen während des Untersuchungszeitraum auf 1165 Untersuchstage. Dabei war das Schlafverhalten der Probanden in allen drei Völkern sehr ähnlich. Hierdurch und durch und die Anzahl der Schlaftage gehen die Forscher von einem allgemeingültigen Ergebnis aus.

Schlechte Schlafqualität in Industrieländern

Wenn nicht die Quantität des Schlafes das Problem in Europa ist, dann ist der Grund für die anhaltende Müdigkeit vieler Menschen wohl eher die Qualität. Diese ist durch den Lebensrhythmus vieler Menschen oder durch andere Faktoren eingeschränkt.

Ein großes Problem für viele Menschen ist ein unnatürlicher Schlafrhythmus. Besonders Menschen, die Schichtarbeit verrichten müssen, können ihrem natürlichen Schlafrhythmus nicht folgen. Bei anderen muss es nicht so extrem sein – aber jemand der eher eine Eule ist und bereits früh an seinem Arbeitsplatz sein muss, kann trotzdem nicht ausgeschlafen sein.

Stadtbewohner haben häufig das Problem, das sie keine wirklich ruhige Schlafumgebung schaffen können. Oft ist die unterschwellige Geräuschkulisse einer Stadt – vor allem der Verkehrslärm – immer irgendwie zu hören, auch wenn er nicht mehr bewusst wahrgenommen wird.

Was einen guten Schlaf verhindert

Andere Probleme, die zu einem schlechten Schlaf führen liegen innerhalb der Wohnung und sind vermeidbar. Wenn die Schlafbedingungen der untersuchten Naturvölker als beispielhaft gelten können, sollten künstliche Lichtquellen am Abend vermieden werden – es reicht aber schon ein oder zwei Stunden vor dem Zubettgehen auf das Surfen im Internet, Sozialen Netzwerken zu verzichten und keine grellen Bildschirme mehr anzusehen.

Wer Probleme beim Einschlafen hat, weil immer mehr Probleme im Kopf durchdacht werden müssen und diese einen nicht mehr loslassen, sollte versuchen die Probleme zuerst aus dem Kopf zu kriegen. Hierfür ist ein altes, und bewährtes Mittel, die Probleme am Schreibtisch auf einen Notizzettle zu schreiben. Das erleichtert das Einschlafen.

Aber auch andere Bedingungen können für einen gesunden Schlaf verbessert werden. Das Schlafzimmer sollte gut gelüftet sein, nicht zu warm – um die 18 Grad Celsius gelten als ideal – und abgedunkelt sein. Auch natürliches Licht fördert Schlaflosigkeit.

Zusammenfassung

Von Naturvölkern können die Bewohner von Industriestaaten noch viel lernen. Scheinbar brauchen wir weniger Schlaf, als wir immer meinen – wir brauchen nur besseren Schlaf. Die Qualität des eigenen Schlafs zu verbessern ist dabei schon mit einigen Tricks und Verhaltensregeln leicht bewerkstelligt – vielleicht schlafen wir dann bald genauso gut wie die Hadza, San und Tsimanen.